❌ Was ist ein Fehler? Wie überwindet man die Angst vor Fehlern? (Der Schlüssel zu einem mutigeren Blick aufs Leben)
- Her Şeyin Ortasında

- 13. Dez. 2025
- 4 Min. Lesezeit
Aktualisiert: 21. März

Hallo mein Freund,
Manchmal rast das Leben so schnell vorbei, als sähe man die Welt aus dem Zugfenster. Alles zieht vorbei: der Dampf in der Kaffeetasse, das Lachen eines Kindes, der Wind, der mit den Blättern tanzt… Und wir? Wir verlieren uns entweder in der Reue über die Vergangenheit oder in den Ängsten vor der Zukunft. So ging es mir jahrelang. Sobald ich morgens aufwachte, dachte ich: „Was werde ich heute tun, was wird morgen passieren?“ Und wenn ich abends ins Bett ging, sagte ich: „Ich wünschte, ich hätte mehr im Moment gelebt.“ Bis ich eines Tages, mit 35 Jahren, in einem Café saß und erkannte: Das Leben findet tatsächlich im gegenwärtigen Moment statt, genau hier. Seit diesem Moment ist „im Moment leben“ für mich nicht nur ein Slogan, sondern eine transformative Kraft in meinem Leben geworden. Heute möchte ich dir davon ehrlich erzählen, aus eigener Erfahrung und im Lichte der Psychologie. Denn ich glaube, dass es beim Leben im Moment nicht nur darum geht, glücklich zu sein; Es ist der effektivste Weg, unsere psychische Gesundheit zu schützen, unsere Beziehungen zu vertiefen und das Leben wirklich zu genießen.
Was genau bedeutet also „im Moment leben“? In der Psychologie nennen wir das „Achtsamkeit“ oder „Wahrnehmung des gegenwärtigen Augenblicks“. Einfach ausgedrückt: Es geht darum, unsere Aufmerksamkeit nicht auf die Vergangenheit oder die Zukunft zu richten, sondern auf unsere unmittelbaren Empfindungen, Gefühle und Gedanken. Wie Experten wie Jon Kabat-Zinn seit Jahren betonen, ist dies keine Meditation; es ist eine Haltung, die sich im Alltag üben lässt. Anstatt beispielsweise beim Biss in einen Apfel nur zu denken: „Ist er süß?“, spüren Sie den Biss, den Saft, der sich im Mund ausbreitet, und die leichte Säure. So einfach ist es, und doch ist seine Wirkung so tiefgreifend, dass sie sogar wissenschaftliche Studien bestätigen. Eine Harvard-Studie ergab, dass 47 % der Menschen nicht im „gegenwärtigen Moment“ sind, sondern in der Vergangenheit oder Zukunft schweifen. Wozu führt das? Zu ständiger Angst, Unzufriedenheit und sogar Burnout.
Warum können wir nicht im Moment leben? Das ist die größte Falle des modernen Lebens. Handybildschirme, Meetings, Benachrichtigungen aus den sozialen Medien … All das trennt uns vom Hier und Jetzt. Mir ging es genauso. Als ich 2022 nach der Pandemie wieder anfing zu arbeiten, war ich jeden Morgen in der U-Bahn in mein Handy vertieft. Der ältere Herr neben mir las Zeitung, das blaue Wasser des Bosporus floss am Fenster vorbei, aber ich nahm es nicht wahr. Als ich abends nach Hause kam und meine Tochter fragte: „Papa, weißt du, was ich heute in der Schule gemacht habe?“, log ich und sagte: „Natürlich“, weil ich ihr gar nicht zugehört hatte. Da begriff ich: Wenn unsere Aufmerksamkeit abgelenkt ist, entgehen uns selbst die schönsten Momente des Lebens. Psychologen nennen das das „Ruhezustandsnetzwerk“; das Gehirn schaltet auf Autopilot und wir geraten in einen Teufelskreis. Aber die gute Nachricht ist: Wir können diesen Kreislauf durchbrechen. Und wenn wir das tun, setzen psychologische Kräfte ein.
Die erste psychologische Kraft des Lebens im Augenblick ist die Reduzierung von Stress und Angst. Das Angstzentrum in unserem Gehirn, die sogenannte Amygdala, arbeitet übermäßig und malt sich Zukunftsszenarien aus. Wenn wir jedoch im Augenblick leben, konzentrieren wir uns auf unseren Atem, unseren Körper oder die Geräusche um uns herum. Dadurch wird das parasympathische Nervensystem aktiviert; der Körper schaltet also in den Entspannungsmodus. Ich habe das zum ersten Mal im Sommer 2023 bemerkt. Ich stand wegen eines großen Projekts bei der Arbeit unter großem Stress und konnte nachts nicht schlafen. Eines Morgens stand ich früh auf und beschloss, einfach am Strand spazieren zu gehen. Ich ließ mein Handy zu Hause. Ich spürte ganz bewusst das Rauschen der Wellen, die Fußspuren im Sand, den Wind im Gesicht. Nach 20 Minuten hatte sich mein Herzschlag beruhigt, meine Schultern waren entspannt. Seitdem mache ich diese 10-minütige „Jetzt“-Übung jeden Morgen. Es ist wissenschaftlich erwiesen: Der Cortisolspiegel sinkt bei Teilnehmern des Programms zur achtsamkeitsbasierten Stressreduktion (MBSR) um 23 %. Probieren Sie es auch aus: Trinken Sie langsam eine Tasse Tee und konzentrieren Sie sich ganz auf den Geschmack. Sie werden sehen, wie Ihre Angst nachlässt.
Die zweite große Kraft: Sie sorgt für anhaltendes Glück. Genau das nennt Martin Seligman, der Vater der Positiven Psychologie, „Genießen“. Es bedeutet, im Moment zu leben, schöne Erlebnisse langsam und ohne Übertreibung auszukosten. Es bedeutet, diesen Moment in Gedanken wiederzuerleben, ohne sofort zu sagen: „Es ist vorbei.“ Ich erinnere mich, letztes Jahr war ich mit meiner Familie am Schwarzen Meer. Normalerweise wäre ich ständig in Bewegung gewesen und hätte gefragt: „Lasst uns Fotos machen, was machen wir morgen?“ Aber dieses Mal hielt ich inne. Ich erlebte den Moment wirklich, als meine Tochter zum ersten Mal ins Meer ging, ihr Lachen, das Platschen des Wassers, wie sie meine Hand hielt. An diesem Abend im Hotel fragte ich mich: „Was war der schönste Moment des Tages?“ Und ich ließ diesen 30-Sekunden-Moment immer wieder in Gedanken Revue passieren. Das Ergebnis? Selbst Monate nach dem Urlaub empfinde ich noch dasselbe Glücksgefühl, wenn ich an diesen Moment denke. Studien zeigen, dass Menschen, die den Augenblick genießen, 40 % weniger Depressionssymptome aufweisen. Denn das Glück liegt nicht in großen Ereignissen, sondern in kleinen Momenten. Dem Partner beim Abendessen in die Augen zu schauen, dem Kind beim konzentrierten Lernen zuzusehen … Das sind die wahren Schätze des Lebens.
Die dritte psychologische Kraft liegt in der Veränderung unserer Beziehungen. Wenn wir nicht im Moment leben, nehmen wir den Menschen vor uns nicht wirklich wahr. Zum Beispiel trank ich mit meiner Freundin Ayşe Kaffee. Während sie sprach, plante ich in Gedanken schon das Treffen für morgen. Als das Gespräch zu Ende war, konnte ich mich nicht einmal mehr daran erinnern, was sie gesagt hatte. Doch dann, eines Tages, dachte ich: „Heute will ich nur dich.“



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